Mit dem Rücken zur Wand
RIM-Chef Heins spricht über die Unternehmenskrise

Nachdem der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) seit geraumer Zeit mit einer schlechten Nachricht nach der anderen zu kämpfen hat, scheint die Devise nun zu lauten: Wogen glätten, Aktionäre beruhigen und Gelassenheit signalisieren. Und so erklärte unter anderem RIM-Lenker Thorsten Heins im Interview mit dem "Handelsblatt", wie er derzeit seine Mitarbeiter motiviert und warum er schon mal besser geschlafen hat.
So habe man jüngst in einer Online-Konferenz alle 16.000 Mitarbeiter über die bevorstehenden Schritte informiert und viel Zustimmung für deren Konsequenz, nämlich 5.000 Stellenstreichungen, erhalten. Um schlanker und effizienter zu werden, so Heins, werde man nicht zuletzt aus Gründen der Glaubwürdigkeit auch ganze Führungsebenen streichen, aber auch neue Turn-around-Spezialisten einstellen.
Qualität vor Zeitpunkt
Der RIM-CEO verdeutlichte, anders als Nokia wolle er nicht "ins kalte Wasser springen. Meine Aufgabe ist es, das Unternehmen sicher von der einen auf die andere Plattform zu bringen", auch wenn die aktuelle zunehmend "rostig und brüchig" würde. Qualität gehe aber vor Zeitpunkt und deshalb verzögere sich der Start von Blackberry OS 10 eben um einige Monate.
Allerdings ist Heins auch nicht der Meinung, dass es höchste Zeit für eine neue Betriebssystem-Version wird. "Das aktuelle Blackberry 7 ist ein wettbewerbsfähiges Produkt und kann mit anderen Produkten auf dem Markt gut mithalten." Das bezieht er jedoch primär auf Unternehmenskunden und deren längere Zyklen, was Geräte-Updates betrifft. "Im Konsumentenbereich sind die Zyklen allerdings in der Tat relativ kurz", gesteht er ein.
So sieht der deutsche Manager zwar "eine Herausforderung" auf sich und sein Unternehmen zukommen. "Aber die Firma ist aus meiner Sicht nicht zerbrochen." Dennoch gibt er zu, dass RIM in der Vergangenheit Trends verschlafen und falsche Projekte vorangetrieben hat. Und obwohl Heins "alle Optionen" und damit auch eine Zerlegung in Betracht zieht, sieht sein Plan doch vor, neben der geplanten Restrukturierung "Blackberry 10 erfolgreich in den Markt zu bringen und damit den Turn-around zu schaffen". Ob das gelingt, wird sich kommendes Jahr zeigen.
vom 05.07.2012